4 Gedanken zu „5. Wie hat Bachs Haus ausgesehen – und wie soll ein „neues“ Bachhaus aussehen?“

  1. Lieber Bach in Weimar e.V.,

    diese Frage 5 von 10 ist für mich persönlich die absolut entscheidende.
    Dass Weimar ein Bachhaus braucht – keine Frage!
    Dass dieses Haus am historischen Ort stehen muss – keine Frage!
    Dass ein Museum (in Kombination mit dem Institut für Alte Musik der HfM Weimar) die Räume mit gutem Inhalt zu füllen weiß – keine Frage!
    Das, was ich mir allerdings wünsche, ist ein ehrlicher Umgang mit der Baulücke. Es gibt keine oberirdischen Überreste des originalen Hauses. Weimar wurde im zweiten Weltkrieg von Bomben getroffen. Viele andere Bereiche der Stadt überdecken Überformungen des 20. Jh. mit (pseudo)-historischen Wiederaufbauten, die dem Touristenstrom das Bild des klassischen Weimars mit ermöglichen.
    Setzt bitte hier einen Contrapunkt, mit einem Bachhaus – am historischen Ort – aber nicht seine Geschichte des Abriss und Neuaufbau verleugnend. Also in zeitgenössischer Architektur.

    1. Zum Thema „ehrlicher Umgang mit der Baulücke“ möchte ich ergänzen: Das Gebäude, bzw. die Gebäude, welche auf dem heutigen Brachgelände/Parkplatz Hotel „Elephant“ standen, wurden nur zu einem kleinen Teil von den Bomben des 2. Weltkrieges zerstört. Der weitaus größere Teil wurde erst 1988/89, ein ebenfalls großer Teil sogar erst 1992/93 abgerissen. Diese Abrisse erfolgten 1988/89 auf Parteigeheiß aus Erfurt (gegen das Abrissverbot des DDR-Kultusministeriums aus Berlin), sowie 1992/93 durch die neuen Eigentümer, die Comes Bauconcept München. Als Grund wurde Baufälligkeit und Sicherheitsrisiken u.a. angegeben. Ziel beider Abrisse – DDR und Nachwende – war damals der Wiederaufbau des historischen Hotels „Zum Erbprinzen“, des ersten Hauses am Platz mit einer illustren Gästeliste von über 100 berühmten Persönlichkeiten von europäischem bzw. Weltrang. Für dieses Bauvorhaben – Wiederaufbau des „Erbprinzen“ – wurde damals von der Stadt Weimar eine dafür notwendige, sogenannte „Investitionsbescheinigung“ ausgestellt, die dem neuen Eigentümer eine Investition, den Wiederaufbau an dieser Stelle „erlaubte“, ihn jedoch auch dazu verpflichtete. Die ehemaligen Eigentümer des „Erbprinzen“, die Familie Vetter, sahen sich nach der Wende zu einem Verkauf genötigt, da sie (1960 aus der DDR geflohen) finanziell nicht in der Lage waren, an dieser Stelle zu investieren. Dieser geplante und sogar öffentlich ausgeschilderte Wiederaufbau erfolgte bis heute nicht. Die wichtigsten Stationen des „Krimi Erbprinz“ sind von Bach in Weimar e.V. aufgearbeitet worden und versehen mit zahlreichen Bilddokumenten nachzulesen unter:
      http://www.bachhausweimar.de/de/10-fragen.html#gestern

  2. Ich kann mich Andreas Schmidt nur anschließen. Neben der städtebaulichen Authentizität spricht auch die Musik Bachs selbst für eine zeitgenössische Ausführung – der Verein, dessen Mitglied ich bin, agiert doch nicht aus historischem Interesse, sondern weil die Musik Bachs für uns heute relevant und wichtig ist. Eine historisierende Ausführung würde unser Anliegen diskreditieren.

  3. Bitte kein Bauhaus-Stil! Hier sind R e n a i s s a n c e oder K l a s s i z i s m u s angebracht. Ein Architekt, der sich auf Klassizismus spezialisiert hat, ist übrigens Léon Krier (siehe Wikipedia).

    Schauen wir nach Eisenach: Wie wird der futuristische Anbau des Bachhauses wahrgenommen? Freilich, manche sagen: „Bach ist Mathematik“. Ich persönlich möchte aber, wenn ich ein Bachhaus besuche, in die Welt Bachs eintauchen – was die Ästhetik betrifft.

    Bei meinen zwei Weimar-Aufenthalten ist mir das klassizistische Flair der Stadt positiv aufgefallen. Ein zeitgenössischer Bau würde dieses Flair zerstören.

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